Kreuzberger Chronik
August 2014 - Ausgabe 161

Geschichten & Geschichte

Zwei Nachrufe


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von Renate Moser & Hartmut Volmerhaus

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Hartmut Volmerhaus und Renate Moser

Februar 2007 im Zwiebelfisch. Ein Ehepaar, so um achtzig, und zwei Mädchen, vielleicht so acht und zehn Jahre alt, stehen vor der Tür, diskutierend. Er kommt herein: »Verzeihen Sie die vielleicht eigentümliche Frage, aber man hat gesagt, hier hinge ein Foto von Oskar Huth?!«

»Wenn Sie mal schauen möchten: Da, da, da, und dort…«

»Dürfen wir hereinkommen?«

»Jederzeit, bitte sehr!« - Er winkt. Er erklärt, da, da, da, da, da und dort… - Sie entscheidet sich für das Doppelporträt, links Oskar Huth, rechts Paul Gehring.

Sie nimmt die Mädchen bei der Hand, zeigt dann auf das Bild: »The left man has saved the life of your granduncles!«

Es war Frau Zorn, die Schwester der Hitlerattentäter Ludwig und Kunrat von Hammerstein. Oskar hatte deren Papiere gefälscht. Sie überlebten. Frau Zorn gab ihrer Familiengeschichte ein Gesicht. Das Gesicht des Retters und Fälschers. Sechzehn Jahre nach Oskar Huths Tod. Respekt! • Hartmut Volmerhaus

Juli 2014: Hütchen lebte nach dem Brahms´schen Motto: Einsam aber frei. So ist er auch seinem Väterchen die von diesem des öfteren eingeforderten Enkelkinder schuldig geblieben. Obwohl es ihm an Freunden und Verehrerinnen nicht mangelte, bei denen er nach Belieben in Erscheinung treten konnte, um sie mit seiner Sprachakrobatik zu erfreuen und gelegentlich zu erfrischen. (...)

Husch trat er auf, husch war er wieder weg. So ist er auch davongegangen, ohne Abschied. Während eines Mittagsschläfchens bei Freunden. Vielleicht hat er den »Vater aller Dinge« gefunden, den er oft erwähnte. Oder er sitzt wie der Engel Alois auf seiner Wolke und sehnt sich nach einer doppelten irdischen Verklärung. Wir erwarten ihn täglich. • Renate Michal Moser

Foto: Michael Hughes
Foto: Michael Hughes

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